Mi. / 6.3.19 / 19:00 / Blaenk Lüneburg: Das Archiv der Zukunft lud zum ersten Kneipengespräch ein

Das Format: Die Kneipengespräche sollen Anlässe sein, um Ideen und Geschichten einer anderen Bildungspraxis in Umlauf zu bringen. Lasst uns dafür Bündnisse schließen und uns verabreden! Zur Thematik des Abends wollen wir Vorschläge machen, die aber keinesfalls das Gespräch einschränken sollen.

Die großen Themen an diesem Abend:

Wie verwandeln die sogenannten „Dritten“ (also die Nicht-Pädagog*innen) die Atmosphäre einer Schule?

Wie können sie die einstudierte Choreografie des Schulalltags im positiven Sinn irritieren?

Verschiedenheit & Einmaligkeit. Um den rustikalen Holztisch sitzen Akteure, die aus den unterschiedlichsten Kontexten und mit den vielfältigsten Motiven zusammengekommen sind. Sie wollen voneinander lernen und profitieren, Erfahrungen austauschen und im gemeinsamen Dialog Schule dahingehend verändern, dass leuchtende Kinderaugen und Zeitvergessenheit den Schulalltag bestimmen.

Am Tisch sitzen: Joey als Bandcoach; Marius als Student, der Waldtage veranstaltet; Georg aus einer Behinderteneinrichtung; Caro, eine Sängerin aus Maastricht; drei junge Studentinnen der Leuphana Universität (Grundschullehramt, Studium Individuale, Politikwissenschaften); Florian aus der Redaktion und Reinhard Kahl. Die Gruppe könnte nicht vielfältiger sein, doch genau das ist ihr großes Potenzial! Mittendrin – der Künstler Andreas Peschka.

Andreas Peschka bereichert als ein sogenannter „Dritter“ die Atmosphäre einer Lüneburger Schule. Statt dort zum Kunst*lehrer* zu werden, bleibt er einfach nur Künstler.

„Ich will die Luft mit Potenzial anreichern.“

Die Schüler sollen ihre eigene Progressivität wahrnehmen. Dafür schafft Andreas Peschka den Rahmen und stellt das Material zur Verfügung. Die Inhalte bestimmen die teilnehmenden Schüler, mit den Material dürfen sie erstmal machen, was sie wollen. Der Schüler darf erleben: ich befinde mich als Anfänger in einem Feld, dass ich mir aneignen kann. Es herrscht unstrittig der Konsens: Statt den Schüler nur zu „befüllen“, lohnt es sich auch zu schauen: Was kommt eigentlich aus ihm heraus?

„Ich darf nicht unterrichten, aber ich kann euch zeigen, was ich kann und wie das geht.“

3 Dinge, so erklärt Andreas Peschka, bietet er den Schüler*innen an:

  • beraten (zu Kreativität und Individualität)
  • (Techniken und Fertigkeiten) trainieren
  • situieren (mit Blick auf die Kunstgeschichte)

…eigentlich ähnlich wie ein Lehrer könnte man meinen, doch darf bei Peschka das Kind selbst bestimmen, in welchem Ausmaß das Angebot genutzt werden soll.

Durch die Erfahrungen von Peschka wurde auch die „Produktivität von Missverständnissen“ eindrücklich deutlich.

Verbunden damit: aufrichtiges Feedback. Wo der Schüler einen Charakter aus dem Spiel Minecraft darstellen möchte, sieht ein anderer Betrachter einen Bauklotz. Die Schüler*innen dürfen kennenlernen, dass es unterschiedliche, wertfreie Assoziationen gibt. Ein Fortschreiten wird dadurch ermöglicht, dass der Schüler sich von diesem Dialog nicht verunsichern lässt, sondern die Möglichkeit hat, den Eigensinn seiner Kunst zu erklären.

Die Erfahrungen von Andreas Peschka werden im gemeinsamen Austausch …

… verknüpft mit persönlichen Berichten der Anwesenden

… angereichert durch Impulse aus den verschiedenen Kontexten

… vor dem Hintergrund von aktuell ANerkannten und BEkannten Schulstrukturen geprüft

… und zu einer Bereicherung für unser Archiv der positiven Lernerfahrungen.

Genau dieses Archiv, diese Schatzkiste an wertvollen Erfahrungen und Berichten wollen wir erweitern. Wir wollen die alten Wege der Schulstrukturen verlassen und anfangen, mutig neue Pfade auszutreten. Wer neue Pfade geht bekommt erstmal schmutzige Schuhe, aber je reicher und vielfältiger unser Netzwerk wird, desto mehr neue Wege können wir entdecken und austesten, um dem Ziel einer „kultivierten Schule“ näher zu kommen.

Träumen und rumspinnen ist immer erlaubt. Wir dürfen mutig sein und von idealen Schulen träumen. Mich jedenfalls hinterlässt dieser Abend mit einem Gefühl des Aufbruchs im Bauch und auch etwas kribblig, weil Veränderungen und Wagnisse immer aufregend sind. Aber ich spüre auch Neugierde und Vorfreude auf das nächste Gespräch. Wer wird diesmal mit am Tisch sitzen? Das Lotto der Teilnehmer ist eins, was ohne Verlierer auskommt. Egal welches Alter, welcher Beruf, welcher Hintergrund, wir sind alle… professionell… und haben etwas zu sagen. Ich glaube, es war Joey der gestern sagte: „Du bist der Profi deines eigenen Wesens“.

Jeden 1. Mittwoch im Monat soll ein solches Kneipengespräch stattfinden und Sie sind herzlich eingeladen! Uhrzeit, Ort und Datum werden rechtzeitig auf der Website bekannt gegeben! Falls Sie dazu Anregungen haben oder in Ihrem Ort selbst ein Kneipengespräch oder Jour Fixe initiieren wollen, schreiben Sie uns gerne eine Mail: redaktion@adz-netzwerk.de

Sie kennen einen „Dritten“, der unseren Horizont erweitern kann? Wir wollen ihn auch kennenlernen! → redaktion@adz-netzwerk.de

Mehr zu Andreas Peschka: http://www.geopoet.de/

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