oder: Ideen zur pädagogischen Umsetzung der Bewegung an Schulen

Es ist wieder soweit: der erste Mittwoch im Monat. Das Kneipengespräch vom Archiv der Zukunft geht in die zweite Runde.

Eine achtköpfige Truppe sitzt zusammen. Die Köpfe rauchen. In den Blicken liegt Neugierde und rege Wachsamkeit. Während ich hinter der Bar stehe und die Bestellung fertig mache, kann ich beinahe die gespitzten Ohren sehen, mit denen sie einander lauschen. Worüber sie wohl reden? Ich bringe die Getränke und im Vorbeigehen schnappe ich einige Begriffe auf: „nachhaltige Verantwortung“, „autodidaktische Selbstinitiation“, „das Unplanbare institutionalisieren“, „Bildungsrisiko“ … und dann fällt ein Schlagwort mit dem ich sofort etwas anfangen kann: „Fridays vor Future“…

… ich sitze mittendrin, mein Kopf raucht, mit gespitzten Ohren, wachsam und voller Neugierde lausche ich den Beiträgen der anderen. Die große Frage, die unseren intellektuellen Schmaus diesmal bestimmt: Wie können Schulen auf die Generationsbewegung Fridays for Future reagieren? Wie könnte eine Neugestaltung des schulischen Alltags aussehen, die jene Energie der Bewegung aufgreift? Könnten es nicht Ideen sein, die zukünftig jeden Freitag umgesetzt werden?

Neben den großen Themen vom Kohleausstieg und der Verkehrspolitik ist die Frage nach einer pädagogischen Umsetzung dieser Bewegung für die Schüler greifbarer. 

Eine derart große Frage braucht Visionäre, Träumer, Rationalisten, Optimisten und Kritiker. Die Personen, die um mich herumsitzen, kommen aus divergierenden Praxisfeldern. Was ihnen gemein ist: Sie alle bekennen sich dazu, engagiert zu sein. Andreas Peschka spricht von „unterschiedlichen Speerspitzen, die sich gegenseitig befruchten können“. 

Die Frage an diesem Abend ist nicht nur thematisch die Fridays for Future Bewegung, sondern gleichermaßen auch die große Frage dieses Formats: Wo wollen wir eigentlich hin? 

Wir wollen wirksam sein und nicht nur darüber reden! Da sind wir uns einig. 

Mit den Freitagsdemonstrationen haben sich einige Gewissen beruhigt. Kritische Stimmen aber fragen, ob sich überhaupt etwas geändert hat. Müssen wir etwas initiieren, bevor sich die Gewissen allzu sehr beruhigt haben? Oder lebt die Bewegung gerade davon, dass aus dem Unplanbaren etwas „Zauberhaftes“ entstanden ist? Davon, dass sich Greta Thunberg eine Freiheit nahm, die sie eigentlich nicht hatte? Die Pointe der Bewegung ist doch der zivile Ungehorsam, das bewusste Brechen der Regeln, das Aufmerksamkeit erregte, erklärt Anton. 

Wie kann also die Energie der Bewegung genutzt werden? Verliert diese ihre Schlagkraft, wenn man sie sich selbst überlässt? 

Am Anfang dieser Bewegung stand eine kollektive Erschütterung, die zur Initialzündung für so viel mehr wurde, werden kann… und werden sollte?  

Welche Ideen für eine Neugestaltung der Schulen könnten angestrebt werden? 

Könnten nicht aus der Freiheit, die aus der Rebellion und der Energie der Bewegung hervorging, Räume entstehen? Räume, mit einer ähnlichen Aufbruchsstimmung? Ein Lernraum, den die Schüler selber gestalten, an dem sie partizipieren und den sie besetzen, den sie sich zu eigen machen, wie die Straßen, die für sie zum Lernort wurden? 

Wie wäre es, wenn zum Beispiel Theater sagen würden, wir stehen freitags offen? Offen, für einen Dialog, eine Plattform, einen Austausch zwischen Kindern, Experten, Amateuren, Erwachsenen …? Welchen Rahmen bräuchte ein solches Vorhaben, um alle Parteien zu einem solchen Austausch auf Augenhöhe zu befähigen? 

Es gilt eine zurückhaltende Position einzunehmen. Wissen wir wirklich, was das Beste für die Bewegung der Kinder ist? Ist es überhaupt die Aufgabe der Kinder, etwas „auszuarbeiten“? Ermächtigen wir uns zu sagen, wofür wir die Theater öffnen und wofür nicht? Statt einem Instrumentalisieren der Bewegung, sollte es eher ein Sich-Bekennen sein. Ein: „Ihr habt uns inspiriert!“. Könnte so eine gemeinschaftliche radikale Praxis entstehen, die aus der Generationsbewegung mehr macht? Die über den Veranstaltungscharakter hinaus von Erschütterung und Betroffen-sein zu veränderten Handlungen führt? 

Die Bewegung zeigt einen Generationskonflikt, von unterschiedlich stark betroffenen Gruppen, die nicht eine absolute Verantwortung teilen, sondern sich mit zwei Verantwortungen gegenüberstehen. Darüber hinaus dreht sich das konventionelle Generationsverhältnis um. Diejenigen, die sonst belehrt werden, verschaffen sich eine Stimme, sie wecken auf, rütteln wach. Die Intentionalisierung als Krankheit der Schulen sollte hier keinen Platz bekommen, keinen Nährboden! Stattdessen sollte gerade die Freiwilligkeit und Selbstinitiation der Schüler gewahrt werden!

Ist es nicht unsere Aufgabe, uns anzünden zu lassen und diese Zündung weiterzutragen?

Das nächste Kneipengespräch wird in Lüneburg am 7. Mai um 19 Uhr stattfinden, genauere Informationen folgen. Außerdem sind wir gerade dabei einen E-Mail Verteiler für dieses Format einzurichten, wenn du Interesse hast, schreib uns gerne eine E-Mail an: geschaeftsstelle@adz-netzwerk.de

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