Ich bin auf der Welt!

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Für mich ist es seit einiger Zeit eine wirkliche Entdeckungsreise geworden, in der Gruppe des 1.-3. Jahrgangs zu arbeiten. Es bereitet mir Freude, sie mit Präsentationen zu erstaunen und ihren kindlich direkten und im Grunde philosophischen Gedankengängen zu folgen. In dieser Altersgruppe vertiefen sich Kinder immer wieder im Spiel oder in konzentrierten Arbeiten, in Bücher und im Ausmalen auf eine selbstverständliche, vielleicht natürliche Art und Weise.

Heute wird die auszumalende Erde mit den Kontinenten zu einem Mandala. Einige Kinder hatten sich mit Hilfe des Kontinent-Puzzles die Erde als Kreis auf dem Papier gezeichnet und die Umrisse der Kontinente darauf angeordnet. Nun malen sie diese Erde mit Farbstiften aus, den Ozean blau und die Kontinente verschieden farbig. Das braucht eine lange Zeit und einige versinken im Ozeanblau.

Erst als sie die passenden Tiere auf die Kontinente kleben und alles beschriften, gehen sie in Dialog mit mir oder anderen Kindern und erzählen von ihren gedanklichen Erlebnissen.“Ich habe gesehen, dass die Eisbären oben wohnen und die Pinguine unten. Warum ist das so? Ob die voneinander wissen? Besuchen sie sich Eistiere gegenseitig oder mögen sie sich nicht.“ „Sieh, oben gibt es gar kein Land! Wenn das Eis weg ist, könnten die Eisbären doch in die Antarktis ziehen!“ „Ha, Australien ist bei dir ganz oben, Ich denke, das ist nicht richtig!“ Paul denkt und vergleicht: „Nein, ich habe nur auf dem Kopf gezeichnet, Drehe ich mein Blatt um, ist die Welt wieder in Ordnung!“ Es sind diese Gespräche, die mir zeigen, dass sie in Beziehung zu ihrem Weltbild sind. Die Erde malte sich auch in ihrem Kopf aus. Erstaunlich!

In den Schulräumen haben die Kinder für ihre Arbeiten über die Erde eine Fülle von Materialien und Bildern und Büchern. Zusätzlich lege ich eine große Weltkarte als Textildruck aus, auf der die Kinder spielen können, die Schleichtiere auf die Kontinente stellen können und, und, und.

Am Vormittag gibt es regelmäßig bei uns eine gemeinsame Obstpause. Wenn alle in ihren eigenen Universen gewesen sind, ist es uns mittlerweile ein Bedürfnis, ein paar Minuten mit dem geschnittenen Obst und dem Gemüse in der Mitte am Kreis zueinander zu finden und uns als Gruppe wahrzunehmen. Bevor wir die bereiteten Teller aufdecken, gibt es einen gemeinsamen Reim oder ein kleines Lied oder wir genießen einfach die Stille, in der wir beieinander sind und hören auf unserem Atem. Für mich sind diese Pausen in Gruppe eine wertvolle Erfahrung. Meist erleben Kinder Gruppenangebote verbunden mit Anforderungen, ich mach sie mit neuen Herausforderungen bekannt oder ich arbeite übe mit ihnen. Hier gibt es nur uns und das Obst. „nur“ Miteinander.

Heute sitzen wir auf der Weltkarte. Cleo malt noch und wird von mir eingeladen. Als sie bei uns sitzt und schon ein Stück Birne kaut, ruft sie plötzlich: „Ich bin eben auf die Welt gekommen!“ „Ja,“, reagiert ihre 9jährige Freundin, „du bist in Asien geboren!“ Was wäre wenn…?

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