Das mag einem auf den ersten Blick merkwürdig vorkommen, aber auf den zweiten Blick kommt man ins Staunen, zum Denken und zum Lernen: Goethe könnte als Navigator aus der Industriegesellschaft gebraucht werden, meint Manfred Osten, denn Goethe ist ein Meister darin, ganz gegenwärtig zu sein. Das Leben nicht aufzuschieben! In der Gegenwart werden Herkunft und Zukunft verschränkt! Die industrielle Revolution, schreibt Osten, verengte „das Bewusstseins in Richtung einer von Wachstums- und Fortschrittssorgen gespeisten Zukunft.“ Bei Goethe finden wir Haltungen, auf die eine Postwachstumsgesellschaft setzen sollte.
Das Wagnis zu leben und glücklich zu sein verlangt als Mindesteinsatz den Abschied von Perfektion: „Ganz resolut und wacker seht ihr aus / Kommt nur nicht absolut nach Haus“ (Goethe, Faust II).
Ähnliches entdeckt Heiner Klug bei Beethoven. Der arbeitete zunächst wie heutige Jazz- und Popmusiker. Die Clubs hießen damals Salons. Konzertsäle gab es nicht. Der erste ging 1831 in Betrieb. Da war Beethoven bereits vier Jahre tot. „Sinfonien wurden weder ausgiebig geprobt, noch von einem taktstockschwingenden Dirigenten geleitet“, sagt Heiner Klug.
Und auch Hartmut Rosa weiß, dass ein Blick zurück die Aussicht nach vorne schärft.

Die Kulturmatinee zum Nachhören:

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